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Freitag, 28. August 2015

Unternehmen: Tesla macht die deutschen Hersteller nass!

Der Elektrobolide aus dem Hause Tesla. Das Model S. (Bild:©Tesla Motors)
Analyse. Tesla baut das beste E-Auto der Welt und die deutsche Autoindustrie ist auch drei Jahre nach der Einführung des Tesla Model S noch in einer Art Schockstarre. Doch nun soll es Audi richten.

Egal, mit welchem Experten man spricht, man bekommt immer die gleiche Antwort. Dem Elektromotor gehört die Zukunft. Die Frage, was den E-Motor antreibt wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Die effektivste Variante scheint dabei aus heutiger Sicht der Akkubertrieb zu sein. Der Verbrennungsmotor dient vielleicht noch ein paar Jahre oder Jahrzehnte zur Reichweitenverlängerung, aber mehr auch nicht. Auch die Bundesregierung hat sich die schnelle Verbreitung von Elektroautos in die Agenda geschrieben, 2010 nannte die Bundeskanzlerin das Ziel von einer Millionen E-Autos auf deutschen Straßen im Jahr 2020. Stand 1. Januar 2015 rollen laut Kraftfahrtzeugbundesamt gerade einmal 18.948 rein elektrische Autos lautlos über die Strassen. Dagegen stehen: 29.837.614 Benziner und 13.861.404 Diesel-Fahrzeuge, die weiterhin Millionen Tonnen Schadstoffe in die Atmosphäre pusten. Auch bei den Neuzulassungen sieht es schlecht aus. 2014 betrug der Anteil alternativer Antriebe nur 1,4 Prozent. Und da waren die ganzen Hybride schon mitgerechnet.
Es ist aber auch schwer. Wo soll sie denn herkommen, die bis zu siebensitzige, geräumige, superschnelle Limousine mit reinem E-Antrieb, die über eine vernünftige Reichweite verfügt? Ach so, die ist ja schon da. Tesla hat mit dem Model S ein solches Fahrzeug seit 2012 im Programm. Zugegeben, recht happige 75.800 Euro kostet das Einsteigermodell Tesla S, aber das scheint nur wenige zu stören. 2014 verkaufte Tesla ohne große Händlerstruktur in Deutschland 817 Autos. Zum Vergleich: Ferrari setzte 652 Wagen ab, Infiniti 1015 und Lexus 1328. Und BMW verkaufte von der gesamten 7-er Reihe 2.143 Stück. Tesla ist schon längst auf dem deutschen Markt angekommen und klaut den etablierten Herstellern die Early Adopter mit dicker Geldbörse.
Das ist ziemlich peinlich für die deutsche Automobilindustrie. Da kommen ein paar Menschen , die bis dato keine Ahnung vom Autobau hatten, und bauten innerhalb von 12 Jahren das wohl innovativste Auto weltweit, dem man nichts, aber auch wirklich gar nichts entgegen zu setzen hat. Und  mal ehrlich, wer bezahlt 35.000 Euro für einen VW e-Golf mit 150 Kilometer Reichweite, wenn er für 75 000 Euro einen Tesla haben kann? Dies soll nicht überheblich klingen und ist sicherlich sehr viel Geld. Aber im Leasing  ist der Wagen durchaus für viele erschwinglich und die Unterhaltskosten für einen Tesla sind verschwindend gering. Denn vorgeschriebene Wartungsintervalle gibt es bei Tesla nicht. Dazu noch Steuerbefreiung,geringe Stromkosten und günstige Versicherungseinstufung.

Das Team um Elon Musk baut eine traumhaft schöne Limousine und bei den deutschen Herstellern kann man sich zwischen irgendetwas Golf-artigen oder den nur als schrecklichen Design-Unfall zu verstehenden BMW i3 entscheiden. Letzterer verkauft sich mittlerweile so schlecht, dass BMW ihn jetzt in die DriveNow-Flotte abschiebt. Das hätte man ahnen können, denn wenn man sich nur ein bisschen in der Geschichte des Automobils auskennt, dann weiß man, dass revolutionäre Technik sich auch nur dann verkauft, wenn man sie gut verpackt. Die Amerikaner haben Tesla, wie den i3. Eigentlich ein No-Go Produkt, aber offenbar nicht so in München.

Immerhin – der BMW i8 ist ein stilistisches Highlight. Aber er ist eben nur ein schlechter Hybrid mit lächerlichen 30 (!) Kilometer reiner E-Reichweite (der Passat GTE hat wenigstens 50km), einem 3-Zylinder Motor und Fahrleistungen, über die Tesla S P90D Fahrer nur lachen können. Dafür zahlt man bei den Bayern dann aber auch 150.000 Euro, also rund 50.000 Euro mehr, als für das Spitzenmodell von Tesla. Nun aber will Audi angreifen. Demnächst soll der neue Audi R8 e-tron auf den Markt kommen. So schnell wie der Tesla,mit 450 Kilometern Reichweite, dafür aber nur zwei Sitzplätze und sicherlich nicht für einen Preis von unter 200.000 Euro! Und dann soll noch 2018 der "Tesla Fighter" schlecht hin, der Audi Q6 e-tron, auf den Markt kommen. Ein 4 sitziges SUV mit mehr als 500 km Reichweite. 

Model X in Kalifornien erwischt. (Bild:©Tesla Motors Club)
Hm? Und Tesla? Ach ja, die schlafen natürlich auch nicht. In wenigen Tagen stellen die Kalifornier ihr lang ersehntes Model X vor. Doch Moment mal, dass Model X hat ja gar keine 4 Sitze. Das hat ja 7. Und als P90D sollte es nicht nur an der 500 km Reichweiten--Marke kratzen, sondern auch jeden Porsche SUV Fahrer vor Neid erblassen lassen. Das ist der Stand 2015. Und glauben die deutschen Hersteller das Muskś Truppe bis 2018 wartet? Damit der Vorsprung an Technik aufgeholt werden kann? Weit gefehlt! Wenn Tesla das aktuelle Tempo beibehalten kann, werden die Teslaner bis 2018 wenigstens 600 km Reichweite zu bieten haben.
Es ist komplett unverständlich. Wie kann Elon Musk und sein Team solche Autos bauen und wie kann die gesamte deutsche Autoindustrie seit 2012 daran scheitern, den Tesla wenigstens zu kopieren? Die Hersteller können noch froh sein, dass es nicht eine bekannte und etablierte Marke ist, die da auf den Markt drängt. Kaum auszudenken, wenn Jaguar für den Type F den Antriebsstrang von Tesla einkauft. Oder wie wäre es mit einem Ford Mustang Cabrio mit dem Antrieb des Tesla für 45.000 Euro? Ups: Das hätten wir beinah vergessen. Spätestens 2018 soll so ein Mittelklassewagen von Tesla in dieser Preisklasse auf den Markt kommen. Sorry deutsche Autoindustrie.  Vielleicht fehlt aber auch genau dieser Druck, damit die deutschen Hersteller endlich mal aufwachen. Zeit wird es jedenfalls.

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