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Montag, 7. Januar 2013

Der Elektriker von Bel Air

Von Astrid Lipsky

Elon Musk hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will die Klimakatastrophe verhindern. Der Multimillionär investiert deshalb massiv in Elektromobilität und Solarenergie. Und nebenbei träumt er von der Erschließung des Weltraums.

Mit zehn Jahren bringt sich Elon Musk Programmieren bei. Mit zwölf verkauft er sein erstes Computerspiel. Mit 30 Jahren hat er ein Privatvermögen von über 100 Millionen Dollar. Geld aber interessiert ihn nicht. Musk will die großen Probleme lösen.
Zahlungsverkehr per Internet? Abgehakt: Als er 1995 als Doktorand (er hat Physik und Wirtschaft studiert) an die kalifornische Stanford University geht, verzichtet er auf die Promotion und gründet lieber die Softwarefirma Zip2. Zusammen mit seinem Bruder Kimbal liefert er Inhalte für Medienunternehmen. "Ich hatte damals nur eine vage Vorstellung von den Chancen eines Dotcom-Unternehmens", sagt Musk. Sein Einsatz: 2000 Dollar, ein Auto und ein Computer. Vier Jahre später verkauft er die Firma für sagenhafte 307 Millionen Dollar an Compaq. Bis dahin der höchste für eine Internet-Firma gezahlte Preis. Mit dem frischen Geld gründet er X.com und entwickelt ein Online-Bezahlsystem per E-Mail. Knapp ein Jahr später fusioniert X.com mit dem Konkurrenten Confinity. Der hat sich auf ein ähnliches Produkt spezialisiert: PayPal. PayPal wird in den folgenden Monaten zum wichtigsten Online-Bezahlsystem der Welt. Enorme 1,5 Milliarden Dollar fließen, als es 2002 an eBay verkauft wird. Musk hält 11,7 Prozent der Firmenanteile, er ist größter Anteilseigner.
Die Erschließung des Weltraums? In Arbeit: 2002 gründet Musk die Raumfahrtfirma SpaceX. Sie verkauft unbemannte Raumflüge, später sind auch bemannte Flüge geplant. Musk will Leben auf anderen Planeten möglich machen. Seit dem erfolgreichen Start von Falcon 1 im September 2008 ist SpaceX die erste Firma, die es schaffte, mit einer vollständig privat finanzierten Flüssigtreibstoffrakete den Orbit zu erreichen. Die Starts kosten nur rund ein Drittel vergleichbarer staatlich finanzierter Raumflüge.
Die Energiefrage? Auch in Arbeit: 2006 gründet Musk Solar City. Die Firma produziert und betreibt Solaranlagen. Und bereits im Gründungsjahr 2003 investiert Musk in den Elektroautobauer Tesla Motors. Internet-Firmen zu gründen sei ziemlich einfach, so Musk. Autos zu bauen hingegen ziemlich schwierig. Sehr kapitalintensives Produkt und viele Wettbewerber. "Es ist fast unmöglich, damit Geld zu verdienen", sagt er.
Die Zukunft ist elektrisch
Seit 2008 führt er die Firma. Um die Serienfertigung des Tesla-Roadsters aufrechtzuhalten, investiert er 40 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen und entlässt 20 Prozent der Belegschaft. Trotzdem muss ein weiterer Investor her: die Daimler AG. Dort ist man zunächst skeptisch, als der junge Mann aus Kalifornien vorspricht. Doch wenig später kaufen die Stuttgarter zehn Prozent an Tesla und ordern Akkus für ihren Elektro-Smart. "Sie sind unser großer Bruder. Ohne Daimler hätte es Tesla nicht geschafft", sagt Musk.
Dann will Musk Tesla an die Börse bringen. Sein Köder: das Model S. Die Premium-Limousine von der Größe eines 5er-BMWs soll ab 2012 vom Band rollen, 20.000-mal im Jahr. Doch anders als für 500 von Hand gefertigte Sportwagen braucht man dafür eine richtige Fertigungsstraße. Tesla aber besitzt nur eine umgebaute Chevy-Werkstatt.
Zufällig wird in Kalifornien gerade ein Werk frei. Die New United Motor Manufacturing, kurz Nummi, eine der größten Autofabriken der USA: 500.000 Quadratmeter groß, zweieinhalb Kilometer Fertigungsstraßen. Toyota stellte hier den Corolla her. Doch das Werk wird nicht mehr gebraucht. Musk fragt Toyota-Chef Akio Toyoda, ob er Nummi haben kann, und bietet alles, was noch in der Firmenkasse ist: 42 Millionen Dollar. Ein Witz. Toyoda sagt trotzdem ja. Auch er erliegt Musks jungenhaftem Charme.
Am 29. Juni 2010 geht Tesla mit 13,3 Millionen Aktien zu je 17 Dollar an die Börse. Noch am Vorabend wird die Zahl der Aktien um 20 Prozent erhöht. "Die Zukunft ist elektrisch", sagt Musk. Aber der Weg dorthin "ist sehr hart und sehr schwierig". Steinig aber ist er für Musk bisher nicht.
Der Artikel stammt aus dem Magazin "Das Investment"

Tesladrivers.blogspot.com

 

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